Romano Guardini Online Konkordanz
Treffernummer:

 < Seite 142> 


Belustigungsraum. Masse in den Bildungsstätten, Masse überall. Wer kann noch allein sein? Und darum ist auch keine Gemeinschaft. Herde, Organisation, aber keine Gemeinschaft. Nur aus dem Beisichsein kann man wirklich zum anderen gehen.
Wie keiner schweigen kann, so kann keiner ruhen. „Zeit ist Geld” - kaum sind ruchlosere Worte aus Menschenmund gekommen. Wie ein wildes Gift ist dieser Geist uns in das Blut gedrungen. Nun gehört die Zeit dem Geld, und das Geld will sein Recht, und gibt uns für nichts mehr Zeit als für seinen Dienst. Nicht für die Freude, nicht für das Denken, nicht für Freunde, nicht für Gott. Aus diesem Wirbel kommt keine Tat. Alles redet und schreibt von Taten, aber keine wird. Was in unseren Tagen geschieht, ist ein Rasen losgelassener, wahrlich nicht von Gott geleiteter Kräfte, aber keine Tat. Die kommt nur aus der Einsamkeit, aus der Ruhe, aus dem Wartenkönnen und Reifenlassen.
„Was nützt es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, aber Schaden leidet an seiner Seele?” hat der Herr gesagt. Oh, die Welt gehört uns! Bald wird die Erde ihre Schätze und Kräfte und ihre Gifte hergegeben haben. Aber was ist aus unserer Seele geworden! Und darum ist uns auch Gott so fern. Denn Gott ist ein verborgener Gott, der in der Stille wohnt. Wohl kann man aus dem Lärm der Fabrik und aus einem gehetzten Herzen heraus beten, und Gott ist jeder Not nahe, sicherlich ganz nahe auch unserer -aber das eigentliche Sprechen mit Gott, das eigentliche Bei-ihm-sein geschieht eben doch in der Stille, in der

 < Seite 142>