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Die Kultur als Werk und Gefährdung Vorbemerkung Zuerst eine kurze Verständigung über die Begriffe, die in diesen Überlegungen gebraucht werden sollen. Das Wort »Kultur«, das in ihnen beständig wiederkehrt, soll alles das bezeichnen, was der Mensch tut, gestaltet und schafft. Entsprechend meint »Natur« jenes, das ist, ohne daß der Mensch etwas daran getan hat. Ohne weiteres ist aber klar, daß diese Natur bereits ein Element des Kulturellen enthält. Denn sie ist jenes, dem der Mensch begegnet und das er wahrnimmt; in dessen Bild er die Voraussetzungen seines Sehens und Verstehens hineinträgt. Und wenn der Mensch selbst in seiner ersten Gegebenheit, sein körperlich-seelisches Sein, wie es aus Geburt und Erbe hervorgeht, als »Natur« verstanden werden kann, so enthält diese von vornherein das Moment des Geistes in seiner Freiheit, der nicht »Natur«, sondern »Geschichte« ist. Umgekehrt enthält aber auch jedes Kulturphänomen ein Element der Natur, insofern in ihm der Mensch das, was ohne ihn ist, ergreift und gestaltet. Wir haben es also mit Annäherungsbegriffen zu tun, die, je nach dem Zusammenhang, in dem sie gebraucht werden, von verschieden proportionierter Bedeutung sind. Durch das ganze menschliche Dasein geht eine Bewegung von der Natur zur Kultur. Diese Bewegung wird aber in widerspruchsvoller Weise erlebt. Auf der einen Seite ist alles das, was sich daraus ergibt, mit positiven Wertakzenten besetzt. Es ist das Menschenwerk, nach dessen Entschiedenheit und Reichtum wir den Einzelnen wie die jeweilige geschichtliche Epoche einschätzen. Auf der anderen Seite empfindet der Mensch ihm gegenüber immer eine Beunruhigung, | ||
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