Romano Guardini Online Konkordanz
Treffernummer:

 < Seite 42> 


Ansprache in der Mitternachtsmesse *11

Wir sind hier zusammengekommen, um die Geburt unseres Herrn und Erlösers zu feiern.
Im Buche der Wahrheit heißt es: »Als alle Dinge in tiefem Schweigen lagen, und als die Nacht in ihrem Laufe die Mitte erreicht hatte, da stieg herab vom königlichen Sitze, o Herr, Dein allmächtiges Wort« [Weish 18,14.15]. Mit diesem Wort, das ahnungsreich im Alten Testament gesprochen wurde, als noch alles verhüllt war, redet die Kirche vom Geheimnis dieser Nacht.
Es sind jetzt die Tage, an denen die Sonne ihren tiefsten Stand hat; es sind die Tage, die umwittert sind vom Geheimnis des Lichtes und der Finsternis. An diesen Tagen haben die Menschen früher, als sie unmittelbar unter dem Eindruck der Macht des Daseins standen, darum gebangt, ob das Licht nicht erlöschen werde, ob die Macht der Finsternis nicht Herr werden würde über das Licht. Und wenn dann die Sonne sich wendete und wieder erstarkte, da ist es wie ein großes Aufatmen durch sie gegangen.
In eben diese Zeit hat die Kirche das Gedächtnis der Geburt des Herrn gesetzt. In der »Fülle der Zeit«, als die Erwartung und Not zu ihrem Gipfel gestiegen war, ist hervorgegangen das Licht - das Licht, auf das die Völker harrten.
Wir wollen einmal versuchen in dieser Stunde, uns hineinzuahnen in die Region des Geheimnisses, aus der dieses Licht in unsere Welt gekommen ist. Sehen Sie, wenn wir von Gott sprechen, dann sagen wir, Er ist der Unendliche; Er ist der Heilige; Er ist der, der aller Seligkeit Fülle in Sich enthält; Er ist der Herr von allem, der keines Dinges bedarf. Wir wissen, wir sagen dadurch nicht viel, denn Gott ragt über alles Menschlich-Sagbare hinaus. Und dennoch, das Beste, was wir wissen, sagen wir von Ihm.
Und wenn wir so betrachten, was zu allen Zeiten die Menschen von Gott gesagt haben, und gerade die größten Menschen,

 < Seite 42>