Romano Guardini Online Konkordanz
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Auf der Suche nach dem Frieden

1. Die Aufgabe, nach dem zerstörenden Geschehen eines Krieges wieder zum Frieden zu gelangen, wird um so schwerer, je breiter das Feld dieses Geschehens gewesen ist und je tiefer es ins Leben gegriffen hat. Ein beunruhigendes Gefühl sagt uns aber, wir werden der Wirklichkeit nicht gerecht, wenn wir nur erklären, die Aufgabe sei heute schwerer als je zuvor, weil der vorausgegangene Krieg furchtbarer gewesen sei als irgendeiner der früheren Zeit. Es scheint vielmehr, als ob Zusammenhänge deutlich geworden seien, die mit dem, was man bisher »Frieden schließen« genannt hat, nicht zu bewältigen sind.
Nun ist jedes historische Ereignis einzigartig - ganz abgesehen davon, daß wir immer Dinge, die uns selbst angehen, als besonders bedeutungsvoll empfinden. Das macht uns von vornherein geneigt, zu denken, was jetzt geschieht, sei ohne Vorbild. Wir müssen uns also vergewissern, ob die ausgesprochene Vermutung mehr getan hat, als nur der Stärke eigenen Erfahrens Ausdruck zu geben. Zu diesem Zweck wollen wir ihr eine zweite hinzufügen: der Krieg habe sich nun als etwas offenbart, was er vorher noch nicht gewesen - oder was doch wenigstens nicht in seinem eigentlichen Charakter zu Bewußtsein gekommen sei.
Ich weiß nicht, ob man schon gefragt hat, was der Krieg für das Leben bedeute, und wie sich diese Bedeutung im Lauf der Geschichte gewandelt habe. Es wäre natürlich aussichtslos, es hier tun zu wollen; um unserer Frage willen müssen wir aber doch wenigstens einen raschen Überblick zu gewinnen suchen.
Sehen wir von primitiven Zuständen ab, in denen Krieg fast als ein Element des normalen Daseins erscheint, das durch

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