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Heilige Schrift und Glaubenswissenschaft [1928] I. Das Neue Testament besteht aus einer Anzahl von Texten, die in einem Kanon - das Wort bedeutet "Ordnung", offizielle Sammlung - zusammengefaßt sind. Und zwar sind das die vier Evangelien, die Apostelgeschichte, die Briefe der Apostel Paulus, Petrus, Judas, Jakobus, Johannes; der Hebräerbrief und die Geheime Offenbarung. In welcher Weise können diese Texte Erkenntnisquelle für eine Wissenschaft, die Theologie, sein? Sie stellen sich als historische Dokumente dar; als Berichte über Ereignisse; Mitteilungen von Lehren, Mahnungen, Anordnungen; Niederschlag religiöser Vorgänge. Das Nächstliegende wäre, daß wir sie einfachhin als historische Quellen behandelten, so, wie andere Quellen auch. Würden wir ihnen damit gerecht? *1 *1 Der vorliegende Aufsatz scheint zunächst nur den Theologen anzugehen. Trotzdem glaubt die Schriftleitung, ihn hier bringen zu sollen. Es besteht heute eine doppelte Gefahr: Einmal, daß die Theorie außer Zusammenhang mit dem konkreten religiösen Leben und seiner Erfahrung gerate. Dem gegenüber, daß das konkrete religiöse Leben sich an der Theologie für desinteressiert erklärte und einer bloßen Praxis verfalle - des Gefühls, oder der Methoden, oder irgendwelcher Experimente. Dieser Aufsatz bemüht sich - unter besonderem Gesichtspunkt -, das Wesen des Theologischen von den ersten Gegebenheiten aus darzustellen. So ist er vielleicht imstande, die Bedeutung des Theologischen auch dem Nicht-Fachmann spürbar zu machen. Daß er nicht von einer Fachsituation, sondern von der allgemeinen unseres heutigen Denkens und Redens über Glaubensdinge ausgeht, dieses Denken und Reden aber sehr verschwommen ist, mag es entschuldigen, wenn der Aufsatz vielleicht ausführlicher entwickelt und öfter wiederholt, als es manchem Leser nötig scheinen mag. Die Schriftleitung [der Zeitschrift: "Die Schildgenossen"] | ||
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