Romano Guardini Online Konkordanz
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Und er will seine Seele los sein, weil sie ihm den Schmerz bringt – so opfert er die private Welt und wirft sich in die Öffentlichkeit.

München, 14.1.61
Fast fünf Monate leer ...
Ich glaube, die Menschwerdung des Sohnes muß viel tiefer, voller, ich möchte sagen: schmerzbringender – sogar gefährlicher gedacht werden, als es meistens geschieht. Meistens wird sie von der Auferstehung rückwärts, oder überhaupt nur von der dogmatischen Formel her gedacht. Meistens steht keine Erfahrung von Wirklichkeit – dieser einzigartigen Wirklichkeit dahinter.

M., 16.1.61
Nachfolge Jesu – wann wird sie real? Wenn die Weise, wie Er die konkreten Aufgaben des Lebens löst, vorbildlich werden. Wenn der Willige sagen kann: wie macht Er es? und es dann selbst so tut. Dazu muß aber seine Göttlichkeit wirklich ins Menschliche eingegangen sein, so daß er in menschlichen Situationen steht – nur mit göttlicher Entschiedenheit.

München, 25.1.61
Die immer härter werdende Einsicht, daß die »Welt« ein geschlossenes System ist, in dem es keine Lücken, keine Fenster nach »außen« gibt; das relativ, für mich, allhaft ist.
Wie kann dann »Glaube« als personal verantwortbare Überzeugung – im Unterschied also zu Wissen einerseits und zu subjektiver, sei es noch so dynamischer Annahme anderseits – kommen?

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