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Die Psalmen vom Brevier des Donnerstags und das geistliche Leben [1916] Die Psalmen des Donnerstags *l Zunächst eine Vorfrage: Stehen die Psalmen, wie sie im Psalterium auf den einzelnen Wochentag gelegt sind, jeweils in einem derartigen Zusammenhang untereinander, daß man ihnen einen gemeinsamen Grundgedanken entnehmen kann? Sind die Psalmen einer Feria mit Absicht ausgewählt, wie es z.B. in einem Commune oder in einem Festoffizium der Fall ist? Oder folgt aus der Anlage des »Psalterium per hebdomadae dies dispositum«, *2 daß der einzelne Tag gar nicht als Einheit aus dem Ganzen der Woche herauszulösen ist? Um die Frage zu beantworten, müssen wir genauer auf den Bau des »Psalteriums« eingehen. Er will die 150 Psalmen auf die sieben Tage der Woche mit ihren je acht kanonischen Tagzeiten *3 verteilen. Eine solche Verteilung setzt voraus, daß die *1 Der Grundbestand des kirchlichen Stundengebetes, des Breviers, ist das Psalmenbuch, der Psalter. Dessen 150 Psalmen sind auf die sieben Tage, den Sonntag und die sechs Werktage (feriae) der Woche und deren je acht Gebetszeiten verteilt. In diesem Aufsatz handelt es sich um die Psalmen des Donnerstags. - Außer den Gebetsgebilden (Offizien) der gewöhnlichen Tage gibt es noch die der Feste Christi, Mariae, der Heiligen usw. Unter den Heiligenfesten einmal solche für ganze Klassen von Heiligen, z.B. der Märtyrer oder Jungfrauen, Commune, Gemeinoffizium genannt und dann solche für besondere Feste, Proprien, Eigenoffizien. *2 »Das Psalmenbuch, wie es auf die Wochentage verteilt ist.« So der Ausdruck der römischen Brevierausgabe. *3 Sie heißen: Matutin (Gebet der Nacht); Laudes (Morgendämmerung); Prim (Morgengebet); die sogenannten »kleinen Tagzeiten« oder Horen, nämlich Terz, Sext, Non im Lauf des Tages (9, 12, 3 Uhr); Vesper (Tagesneige, Abendgebet); Komplet (Nachtgebet). | ||
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