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Die Bäume von Isola Vicentina Aus der Dankrede nach der Verleihung der Ehrenbürgerschaft in Isola Vicentina am 12. Oktober 1963 Erlauben Sie mir, meine sehr verehrten Zuhörer, noch einmal persönlich zu sprechen. Es ist nun mehr als ein halbes Jahrhundert vergangen, seit ich in der wissenschaftlichen Arbeit stehe. Diese hat sich in der Lehrtätigkeit an den Universitäten von Berlin, Tübingen und München – aber auch in einer, wie ich wohl sagen darf, nicht unerheblichen schriftstellerischen Tätigkeit vollzogen. Nun werden Sie vielleicht verwundert sein und fragen, was diese Arbeit mit Isola zu tun habe. In Wahrheit hat sie sehr viel damit zu tun; denn hier, in unserem Hause, in seinem Garten und Park, sind meine Vorlesungen und Bücher vorbereitet worden. Als mir das bei dieser Gelegenheit ins Gedächtnis kam, habe ich mich an einen anderen und nun sehr berühmten Zusammenhang zwischen Philosophie und Gärten erinnert. Wie Sie wissen, sind die entscheidenden Gedanken der europäischen Philosophie von Platon ausgegangen. Die Gemeinschaft von Meister und Schülern, in der er gedacht und gelehrt hat, hat den Namen »Akademie« erhalten; dieser Name aber rührt von einem Hain oder Park in der Nähe von Athen her, der dem Gott Akademos geweiht war. Und Akademie hieß auch der Garten, der Platon persönlich gehörte, und in dem er sich denkend und lehrend zu ergehen pflegte. In welcher Beziehung kann aber der erlauchte Name Platons und die Stätte seiner Arbeit mit Isola und der bescheidenen Arbeit eines heutigen Professors stehen? Sicher in gar keiner, wenn es sich um den geistigen Maßstab handeln sollte, der hier in Betracht kommt. Etwas aber ist | ||
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