Romano Guardini Online Konkordanz
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Der Sinn der Weihnachtsbotschaft

Wer heute einen Gedanken der christlichen Botschaft aussprechen will, kommt in eine große Schwierigkeit. Sobald er die Worte verwendet, die von jeher diesem Gedanken Ausdruck gegeben haben, merkt er, daß er sich auf sie nicht mehr verlassen kann. Wie sie im Gebrauch der Zeit umgehen, ist ihr Sinn blaß und uneigentlich geworden, ins Allgemein(Kulturelle oder ins Gefühlsmäßige gegangen. Ja, er hat sich vielfach verändert, so daß der gewissenhaft Sprechende vor die Aufgabe der "Unterscheidung des Christlichen" gestellt wird. Er muß die Worte gegen die Angleichungen und Verfälschungen absetzen, denen sie weithin verfallen sind. Er muß ihnen wieder ihren echten Sinn geben; sie klar und verläßlich machen.
Das ist mühsam, denn die Sprache sollte ja doch der Raum sein, der nach der Wahrheit gebaut ist, so daß der Sprecher ohne Mißtrauen in ihn eintreten und sich sicher in ihm bewegen kann. Ihre Worte sollten Sinngestalten sein, die als objektives Gedächtnis des Volkes die Einsichten der Vergangenheit aufbewahren, so daß die Gegenwart auf ihnen weiterbauen kann. Statt dessen hat der Sprechende immer wieder das Gefühl, der Grund trage nicht, und die Wege führten nicht richtig. Nun war es immer nötig, über die Verläßlichkeit der christlichen Worte zu wachen.

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