Romano Guardini Online Konkordanz
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Überlegungen zum Problem des Films

Vorbemerkung
Das Filmwesen *1 hat einen so ungeheuren Umfang angenommen; es macht so sehr den Eindruck von etwas Festgegebenem und immerfort Wachsendem; es dringt so tief in das Leben des ganzen Volkes und richtet auch so heftige Schäden an, daß man ihm allen Ernst zuwenden muß.
Der sittlich und künstlerisch Wache wird vom Film oft sehr abgestoßen; so steht er in Gefahr, darüber die Dringlichkeit zu verkennen, mit welcher hier etwas sein Recht sucht. Es ist aber nötig, daß er sich an seine Verantwortung erinnere.
Er könnte nun mit der Frage so fertig zu werden suchen, daß er sagte: Ich nehme den Film nicht ernst. Er ist etwas Minderwertiges und wird es bleiben. Was ich von ihm verlange, ist nichts als eine Hilfe, die unsere Zeit mir bietet, um ihre Unrast ein wenig auszugleichen. Ich erwarte dabei nur, daß der Film mir das, was er geben kann, in einer einigermaßen geschmackvollen Weise gebe und sich nicht zu einer Kulturbedeutung aufblähe, die ihm nicht zukommt.
Dabei kann auch Gutes entstehen: gedanklich Richtiges, ethisch Kräftiges, ästhetisch Erfreuliches. Aber nur als Randerscheinung. Alles würde sich verkrampfen, wenn daraus ein Maßstab für die ganze Sache abgeleitet werden sollte.
Diese Auffassung ist eindeutig, und man darf vermuten, daß sie zuweilen auch den Apologeten einer künstlerischen Aufgabe
*1 Das Nachfolgende gibt einen Vortrag wieder, der im Rahmen des »Seminars für Filmkunst« an der Münchener Universität 1953 gehalten wurde.

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