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Das Phänomen der religiösen Erfahrung [1961] Vorbemerkung Ich habe die Aufgabe, über das Phänomen der religiösen Erfahrung zu sprechen. Erlauben Sie mir aber zuerst einige Vorbemerkungen. Die Bezeichnung „Phänomen“ soll in ihrer ursprünglichen Bedeutung gebraucht werden: für „das, was erscheint“. Sie meint also nicht, wie z. B. im deutschen Idealismus, das Scheinhafte, das im Gegensatz zum Geistig-Echten steht, sondern die Selbstbekundung des Seienden im Blick dessen, der es sieht – genauer gesagt: das Eigentliche dieser Selbstbekundung, das Wesen des betreffenden Seienden. Ein solches Phänomen soll uns hier beschäftigen; und zwar das der religiösen Erfahrung, sowie dessen, was durch sie erfahren wird. Doch muß ich sofort einschränken: Unter dem „Religiösen“ soll die allgemeine, natürliche, zum Wesen des Menschen bzw. der Welt gehörige Religiosität verstanden sein, nicht die auf der biblischen Offenbarung ruhende übernatürliche. Die in jener gefundenen Momente finden sich wohl auch in dieser; sie treten aber darin unter eine tiefgreifende Kritik, von der hier nicht die Rede sein kann. Anderseits versteht sich von selbst, daß die Untersuchung der natürlich-religiösen Phänomene auch für jene Wissenschaft, die sich mit der Offenbarung beschäftigt, also die Theologie, von vielfacher Bedeutung ist. Was hier dargestellt werden soll, ist von einem philosophischen Interesse geleitet. Es soll zeigen, worauf sich die Religionsphilosophie bezieht, sobald sie nicht von spekulativ gewonnenen | ||
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