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Tagebuch - Torcello Es ist schön, wenn man in eine fremde Stadt fährt, um in ihr nicht alles Mögliche, sondern nur Eines zu sehen, ein Werk, einen Bau. Dann erhält der Tag etwas Gesammeltes. Die Fahrt bewegt sich auf das Ziel hin; was sonst begegnet, verbindet sich mit ihm, vorbereitend, steigernd, mannigfache Töne in den einen Klang, der doch Herrscher bleibt, einfügend; und schließlich kehrt man, von einem großen Bilde gesättigt, zurück. So war es gestern, als wir zur Basilika von Torcello bei Venedig fuhren. Früh ging es mit dem Wagen von dem kleinen, vierzehn Kilometer von Vicenza entfernten Landorte fort; aus dem von der Kühle der Nacht erquickten Garten hinaus; über die wohlbekannten Straßen, auf denen der Staub der langen Trockenzeit noch durch den Tau gebunden lag; durch Vicenza selbst, mit seinen übervielen, nun so ortlos gewordenen Palästen zur Bahn. Mit der ging es über Padua, an den orientalischen Kuppeln seiner Antoniuskirche vorbei, fast anderthalb Stunden durch die venetische Ebene hin. Vor Mestre begann die Lagune, jenes seltsame Gebiet, wo das Meer bewohnt wird, möchte man sagen; wo das Land nur flach aus dem Wasser ragt, gleich als gehöre es noch hinein und könne über Nacht wieder zurücksinken. Das Meer ist so seicht, daß weithin Strecken von Wassergewächsen wie versunkene Wiesen von sonderbarem Wuchs durch den Spiegel drängen. Telegraphenstangen stehen im Wasser, und Arbeiter klettern daran herum, während unten, wie auf dem Festlande der Handwagen, mit Gerät und Helfern ein Nachen wartet. In tieferen Rinnen gehen die schweren Boote mit großen, gelbbraunen Segeln, oder aber vor Rudern, und die Ruderer arbeiten stehend, das Gesicht nach vorn gewendet. Dann fährt | ||
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