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„Anfang“. Eine Meditation [1962] Im Geschehen der Welt wirken zweierlei Mächte: der fortgehende Zusammenhang und der jeweils aus dem Grund der Weltdinge entspringende Anfang. Bevor der Strom seine ganze Größe erreichte, war er Fluß, war Bach, und einmal ist er als Quelle aus der Erde entsprungen ... Der Baum steht mächtig da, grünt, blüht, trägt Früchte und überdauert Jahre und Jahrhunderte; einmal aber ist er als Keimling aus dem Kern entlassen worden ... Ein Werk wächst, wird durch Geduld und Fleiß vorangetragen, kämpfend und überwindend durchgesetzt; einmal aber ist es als Einfall aus der schöpferischen Tiefe hervorgegangen ... Der Mensch fühlt die Einheit seines Lebens; trägt sie, des Vergangenen gedenkend und das Kommende voraussehend, im Bewußtsein. Wenn sein Gedächtnis aber zurückgeht, ins Ferne und immer Fernere, ahnt es hinter allem Geschehen die Geburt ... Der Zusammenhang und der Beginn – beides ist wesentlich und wirkt das Leben. Und beides hat sein Geheimnis. Auch der Fortgang hat es: daß es das Weitergehen von Einem zum Anderen gibt; die gleiche lebendige Individualität sich durch verschiedene Stufen und Gestalten hinbewegt und doch mit sich selbst eins bleibt; der nämliche Plan eine Handlung mit der anderen, und viele zum Ganzen bindet. Hier bedarf es wohl schon tieferen Hinachtens, um das Rätsel zu fühlen – doch jeder Empfängliche wird berührt, sobald es um den Anfang geht. Wer hat es nicht schon erfahren, wenn er etwa einen Bach zurückverfolgte und an die Stelle kam, wo sein Lauf aus der Erde trat? Von wie viel Ahnung war sie umspielt! Der Verstand mag noch so genau wissen: Unter der Erdoberfläche läuft irgendwo das Wasser zusammen; bestimmte Druckverhältnisse treiben es | ||
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