Romano Guardini Online Konkordanz
Treffernummer:

 < Seite 63> 


Von den Dingen

In dem Bande der Werke von Francis Jammes, der den »Hasenroman« und die beiden Novellen »Klara« und »Almaide« enthält, habe ich die nachfolgende kleine Skizze gefunden und sie zu übertragen versucht. Nun verbietet, soviel ich weiß, das Urheberrecht, etwas wiederzugeben wenn nicht zugleich das Buch besprochen wird. Also habe ich mich denn besonnen, was , über die Weise sagen könne, wie Jammes »von den Dingen« erzählt, und habe gefunden, daß nichts zu sagen war. Denn auf den wenigen Seiten standen wirklich die Dinge selbst, sowie auf manchen Bildern neuerer Maler, vor denen einem zu Mute ist, als könne man mit dem Stuhl, oder mit der Vase, oder mit den Äpfeln sprechen. Ich denke aber, wenn man von einem Buche das festgestellt hat, dann ist so viel Rühmendes gesagt, daß wohl jeglicher Urheberanspruch das Seine erhalten hat.
Ich trete in ein großes Viereck von Schatten voll Bewegung. Bei einer rotschwarz brennenden Kerze sitzt da ein Mann und klopft Nägel in eine Schuhsohle. Zwei Kinder halten ihre flachen, ausgestreckten Hände zum Herde hin. Eine Amsel schläft in ihrem Binsenkäfig. Im rauchigen irdenen Topf hört man das Wasser brodeln. Ein säuerlicher Geruch von Suppe kommt aus ihm und mischt sich mit dem der Lohe und des Leders. Ein Hund sitzt da und schaut unverwandt in die Glut.
All die dunklen Seelen und Dinge haben eine solche Innigkeit, daß ich mich gar nicht frage, ob sie noch einen anderen Grund ihres Daseins haben, als eben diese Innigkeit, noch ob vielleicht ich selbst es bin, der ihrem demütigen Sein diesen Zauber verleiht.
Hier wacht der Gott der Armen; der einfache Gott, an den ich glaube. Jener, der aus einem Korn eine Ähre hervorgehen

 < Seite 63>