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Gesichtspunkte für ein Gespräch über Freiheit, Demokratie und humanistische Bildung in der Akademie für Politische Bildung Tutzing, Pfingstwoche [1959] Vielleicht darf ich eine Bemerkung vorausschicken. Was ich Ihnen hier vortragen will, ist nicht der Ausdruck einer festen Ansicht, sondern einer wachsenden Befürchtung. Ich selbst komme aus der humanistischen Bildung und möchte sie keinen Augenblick missen; muß aber sagen, daß ich fürchte, sie habe ihre Zeit gehabt. Sollte unser Gespräch mich zur Einsicht bringen, daß ich mich irre, dann würde darüber niemand erfreuter sein als ich selbst. I. Erlauben Sie mir, von einer persönlichen Erfahrung auszugehen. Ich glaube, zu sehen, daß nicht nur viele müde gewordene Ältere, sondern auch und gerade junge Leute an der demokratischen Gestaltung des Staats- und Gemeinschaftslebens uninteressiert sind. Daß daher jene ernste und leidenschaftliche Parteinahme fehlt, die angesichts der ungeheuren Bedrohung in der Gegenwart nötig wäre. Die Haltung eines wirklichen Demokraten ruht darauf, daß er anders als in Freiheit nicht existieren kann. So ist die Demokratie jene Form des Gemeinschaftslebens, die der Freiheit den größten Raum gewährt; mehr noch, sich immerfort auf der freien und verantworteten Entscheidung der einzelnen aufbaut. Ich glaube aber zu sehen, daß ein großer Teil der Jugend die Freiheit nicht als primären Wert, als unerläßliche Bedingung | ||
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