Romano Guardini Online Konkordanz
Treffernummer:

 < Seite 175> 


Die Freude des Christen
Die Botschaft des Fronleichnamsfestes *43

Wir haben am vergangenen Donnerstag das Fest gefeiert, das den Namen »Fronleichnam« trägt - will sagen: das Fest des Herrenleibes, des Altarssakraments.
Sie haben die Zeichen der Freude bemerkt, die in der Kirche, aber auch außerhalb ihrer sichtbar wurden: den Schmuck der Häuser; das Gras und die Blumen auf den Straßen; die vier Altäre, die an besonderen Stellen errichtet waren. Vor allem aber die Prozession; darin die festlich gekleideten Kinder, die kirchlichen Vereinigungen mit ihren Fahnen und Abzeichen, die vielen mitziehenden Gläubigen, den sonst auf der Straße nicht gehörten Klang der Lieder und Gebete - alles gerichtet auf die Hostie, die in der Monstranz dahingetragen wurde und auf den Altären Verehrung empfing. Der Eindruck, den Sie empfangen haben, war sicher sehr verschiedener Art. Manches wird Ihnen gefallen, anderes wird Sie befremdet haben. Gewisse Dinge sind Ihnen vielleicht äußerlich vorgekommen; von anderen haben Sie das Gefühl gehabt, sie gehörten besser in die Kirche als auf die Straße; wieder andere haben Sie abgestoßen ... Wer in der Geschichte der Religionen bewandert war, hat sich erinnert, daß der Festzug eine der Grundformen religiöser Feier bildet, und etwas, was aus ältester Vergangenheit heraufkam und sonst kaum noch in unserem Leben erscheint, hat ihn berührt.
Auf jeden Fall aber: wenn Ihnen Geschmacklosigkeiten in Bildern und Zieraten, oder gedankenloses und ungemäßes Benehmen der Beteiligten nicht allzu peinlich geworden sind, haben Sie doch gewiß empfunden, daß hier etwas Wesentliches nach Ausdruck drängte. -
Fronleichnam, Fest der Eucharistie - es gibt noch ein anderes im Gang des Kirchenjahres: den Gründonnerstag, das Gedächtnis

 < Seite 175>