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Verwüstet Dinge, Worte, Formen. Verwüstet auch die Menschen. Leute regieren, und wie viele haben die lebendige Haltung dessen, dem man das Regieren zugesteht, Leute wohnen in Häusern und sind ihnen nicht gewachsen; sitzen bloß darin, wie in schlecht passenden Anzügen, die anderen gehören. Leute genießen, und ein unappetitliches Schmatzen wird hörbar. Leute befehlen, und man spürt die innere Unsicherheit, den Krampf, die Anmaßung. Leute wollen autonom sein, und es ist nur eine kleine Revoluzzerei. Leute sprechen über hohe Dinge, religiöse, philosophische, aber ihr Reden hat sich verirrt, es gehört in die Zeitung. Leute kritisieren; aber frage sie einmal nach ihrer Legitimation, wie lange es her ist, seit sie das Denken begonnen haben, und ob sie schon selbst in der Zucht des Schaffens gestanden ...... Und so gehts fort. Aber es soll genug sein. Sieh, alles, wovon die früheren Briefe sprachen, erhält erst hierdurch seine letzte ätzende Häßlichkeit. Glaube, mir ist nicht literarisch zu Mute. Ich wollte, diese Dinge gingen mir weniger nahe. Walter Rathenau hat ein furchtbares Buch geschrieben: "Die neue Gesellschaft". Da spricht er von der Völkerwanderung von unten herauf. Deren Zerstörung werde unabsehbar sein, weil viele der Heraufsteigenden so ganz enterbt waren, daß ihnen, was uns als Kitsch abstößt, noch ferne winkende Herrlichkeit ist. An dieses taste ich nicht. Davor darf man nur Schuld fühlen. Auch habe ich hier nur von der Zerstörung gesprochen, die aus der Masse kommt. Ich weiß, was da heraufdrängt, hat auch anderes in sich. Was in unsere Kultur als Masse eingebrochen ist, trägt auch einen anderen Namen. Etwas Großes, Kommendes, das deutlich wird, später einmal ...... Doch jetzt steht es so. Und können wir leben in dieser Verwüstung? | ||
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