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Vom Gang der Geschichte und von der Aufgabe des Glaubens 1. Eine persönliche Erfahrung hat mich zu Überlegungen geführt, die für das Verständnis unserer kulturellen und religiösen Situation nützlich sein könnten. Die Erfahrung ist alltäglicher Art, ebendeshalb aber vielleicht um so überzeugender, und ich möchte auch in diesem Essay von ihr ausgehen. Ein Wagen sollte überholt werden. Als dessen Besitzer mit dem Leiter der Werkstatt ins Gespräch kam, fiel mein Blick auf einen Mechaniker, der an einem anderen Wagen beschäftigt war. Letzterer war durch eine Hebebühne emporgehoben worden; der Mann arbeitete unter ihr in ruhiger Sicherheit und in bequemer Haltung. Das Bild machte auf mich einen starken Eindruck. Ein Gefühl von Freiheit schien von ihm auszugehen. Früher mußte man für solche Arbeiten unter den Wagen kriechen und mühsam seine Verrichtung tun; jetzt war das schwere Ding auf den Druck eines Knopfes hin in die Höhe gehoben worden und blieb in der gewünschten Höhe, so daß der Mann ruhig seine Sache besorgen konnte. Da habe ich empfunden, welche Freiheit der Mensch durch das gewinnt, was »Technik« heißt. Vorher war er auf Schritt und Tritt durch Notwendigkeiten körperlicher Anstrengung gebunden; nun werden ihm eine Belastung nach der anderen abgenommen und zuvor nicht zu ahnende Energien zur Verfügung gestellt: das Bild eines Daseins trat mir innerlich vor Augen, in welchem der Mensch nicht mehr »dient«, sondern verfügt und »befiehlt«, denn überall stehen Apparaturen bereit, denen er mit leichter Gebärde seine Aufträge gibt. | ||
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