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Anfangen und Enden Es gibt Wahrheiten, die sind so wahr, daß sie aus dem Bewußtsein entschwinden. Man nennt sie "selbstverständlich" und meint damit, bei ihnen gehe das Verstehen von selbst; man brauche sich dafür nicht anzustrengen. So achtet man sie auch nicht, denn was nichts kostet, denkt man, ist nichts wert. Das ist aber falsch, denn die einfachsten Wahrheiten sind die wichtigsten. Eine von ihnen ist jene, die wir uns heute, am letzten Tag des Jahres, ein wenig nahebringen wollen: daß nämlich alles Menschliche anfängt und endet. Wie gesagt, eine Selbstverständlichkeit. Jedes lebendige Wesen tritt einmal ins Dasein, und für jedes hört das Dasein einmal auf. Das ist auch beim Menschen so, und darüber scheint man kein Wort mehr zu verlieren. Man wird aber gleich nachdenklicher, wenn man sich klar macht, daß dieses Anfangen Ja nicht nur geschieht, wenn der Mensch empfangen und geboren wird, und das Enden nicht nur dann, wenn er den letzten Atemzug tut, sondern das Anfangen geht durch sein ganzes Leben, und das Enden beginnt bereits mit dem ersten Atemzug. Anfangen und Enden sind nämlich zwei Grundkräfte, aus denen das Leben hervorgeht - das Leben | ||
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