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Wahrheit und Ironie Dankrede bei der Feier des achtzigsten Geburtstags in der Münchener Universität am 17. Februar 1965 Zunächst habe ich die schöne Pflicht, zu danken. Was die Arbeit im Dienst des mir gegebenen Auftrags für mich selbst bedeutet hat, ist mir besonders bewußt geworden, als sie aufgehört hatte, und ich nur auf persönliches Tun, auf Buch und Schrift angewiesen war. So muß ich eigentlich den Hörern meiner Vorlesung für ihr Interesse und ihre Mitarbeit danken. Es war schön, in beständiger geistiger Begegnung zu fragen, was »christliche Weltanschauung« bedeute. Die Frage meint natürlich nicht, die christliche Überzeugung sei eines jener unverbindlichen Gedankengebilde, die man gemeinhin mit dem Wort »Weltanschauung« bezeichnet. Sie ist Glaube und Antwort auf die Offenbarung. Gemeint ist vielmehr, daß von dieser Offenbarung her sich ein Blick auf die Welt, ein Bild ihres Wesens, ein Urteil über Werte öffnet, wie das sonst nicht möglich ist ... Ebenso wie umgekehrt von der Welt und ihren Problemen her Fragen an die Offenbarung ergehen, die in dieser sonst schweigende Inhalte zum Reden bringen ... Und daß daher in immer neuer, wechselseitiger Begegnung eine fruchtbare Erhellung des christlichen Daseins gewonnen wird. Daß das durch eine so lange Zeit hin geschehen konnte, dafür bin ich meinen Hörern in Berlin, in Tübingen und München großen Dank schuldig. ... Erlauben Sie mir aber über den Dank hinaus noch einige Worte. Der achtzigste Geburtstag ist ein Datum, das dazu drängt, zurückzublicken und so etwas wie eine Bilanz zu ziehen. Um zu sehen, was sich dabei ergeben könnte, lassen Sie mich annehmen, jemand fragte: »Was steht Dir eigentlich als letzter Ertrag dieser langen Zeit im Bewußtsein?« | ||
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