Romano Guardini Online Konkordanz
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Interesses, wirkt im Auswärtigen Amt, glaube ich.) Sie hatte um jemand gebeten, der sie in katholischen Dingen unterrichte, damit sie bei der Erziehung ihrer katholischen Kinder Bescheid wisse in deren Glauben. (Wie einem die Unnatur dieses so häufigen Verhältnisses an einem solchen Fall klar wird, nicht?) Ich habe niemand gewußt, und mich dann selbst entschlossen. Alle 14 Tage, nach dem Kolleg, das sie übrigens auch besucht. Ich bereue es nicht, zugesagt zu haben. Es ist eine Luft von so schlichter Vornehmheit, daß sie einem im Herzen wohltut. Sie weiß auch bereits viel, und als ich fragte, ob ihr die Lesung von Bartmanns Grundriß (nicht Lehrbuch) der Dogmatik*793 zusagen würde, wobei ich kein Hehl aus seiner Trockenheit machte, meinte sie, im Gegenteil, Ordnung und Verständlichkeit gefielen ihr gerade, und für Dogmatik habe sie immer viel Interesse gehabt. So ist die Sache leichter.
Ich erzähle es, weil mir gestern etwas recht lebendig wurde. Sprach erst vom ganzen Weg der natürlichen Gotteserkenntnis, und wie die zu einem natürlich-philosophischen Gottesbegriff bzw. Gottesbewußtsein führe. Das ist aber noch nicht das, worum es geht. In der Geschichte steht Offenbarung. Gott hat mit dem, was er aus der natürlichen Schöpfungsoffenbarung herausbehalten, in die Schöpfung und Geschichte explicite hineingesprochen. Aus seinem Entschluß, örtlich wie zeitlich. Diese Offenbarung können wir wahrnehmen. Einmal durch den gesamten Charakter der Personen und Geschehnisse. Die gehören mit ihrem Seinsbestand zur Welt; sind empirisch wahrnehmbar. Aber er trägt einen solchen Charakter, daß er uns Überweltliches innewerden läßt. (In der Welt; nicht von der Welt.) Tiefer: der Inhalt der Lehre, der Gesinnung, des Lebens offenbart u.s.w. Der Akt nun, mit dem wir das Hereinsprechende Christlich-Andere in Gott aufnehmen, ist der Glaube. Glaube heißt, dorthin treten, wo das Hereinsprechende steht. Offenbarung heißt, daß Gott so spricht, daß man glauben, zu ihm treten kann, und dann von dorther wieder in die Welt hineintreten. Richtiger: Unterwegs sein zu jenem Standpunkt; denn wir »werden glaubend«; sinds nicht. - Und die Gewißheit dieses Glaubens ist haarfein, ganz in Ungewißheit eingebettet. Der normale Zustand des modernen Menschen ist hier der Glaubenskampf; Glaubensruhe ist Atempause. - Und die Glaubensprobe ist dies: Anzunehmen, daß Gott nicht mit einer allgemeinen ­Notwendigkeit mir gegenübersteht, sondern mit einer persönlichen Initiative.
793 Bernhard Bartmann, Grundriß der Dogmatik, Freiburg (Herder) 1923.

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