Romano Guardini Online Konkordanz
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Andachtsform hatte die Gefahr, die heilige Kommunion aus ihrem naturgemäßen Zusammenhang zu lösen; die zweite hingegen könnte im ungünstigen Fall die Wirkung haben, daß die Kommunion in ihrer besonderen Bedeutung als Vereinigung mit dem Herrn nicht nach Gebühr zu Bewußtsein kommt; daß sie im Ganzen der liturgischen Handlung verschwindet, wenn der Gläubige gleich nach dem Empfang zum Meßbuch greift und nachher versäumt, sich noch persönlich dem gegenwärtigen Herrn zu widmen. Daher gilt auch hier der Grundsatz, daß die Liturgie allein für das normale christliche Leben nicht genügt. Sie muß vielmehr durch jene Formen religiöser Betätigung ergänzt werden, die aus den besonderen Bedürfnissen des persönlichen Lebens, aus der Einsicht in die vielfältigen Anforderungen menschlicher Unvollkommenheit erwachsen sind.
Aus den vorstehenden Überlegungen wird also wohl klar geworden sein, daß der außerliturgischen Kommunionandacht Recht und Bedeutung nicht abgesprochen werden soll. Auch wenn jemand sich entschlossen hat, der liturgischen Feier der Eucharistie zu folgen, wird er von Zeit zu Zeit gut tun, in jenen straffen Gedankenreihen sich der Bedeutung des Sakramentes, seiner Voraussetzungen und Wirkungen bewußt zu werden. Hier sollte nur darauf hingewiesen werden, daß jene Gebetsweise nicht die einzige und auch nicht die normale Form der Kommunionandacht darstellt; vielmehr, daß auch hier eine via ordinaria besteht, von der Kirche selbst gebahnt und gebaut. Es ist die Art der Kommunionfeier, wie sie der Herr selbst eingerichtet, wie sie Apostel und Urkirche geübt, und wie sie der Priester seit jenen Zeiten tagtäglich selbst begeht.




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