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nicht mehr so schlimm. Die Luft schwer und warm. Auch jetzt noch, um halb zehn abends. Das ganze Haus ist feucht. Man denkt an die Überschwemmungen von vor zwei Jahren und sorgt sich. Welche Stille ist hier. Draußen kein Laut. Das Haus so groß und fest gebaut, daß man von anderen Räumen her nichts hört. Nur das Feuer im Kamin brummt. Wie oft habe ich seit über 25 Jahren hier so gesessen in dem Zimmer mit den Wandfresken, den Bücherschränken und dem großen Tisch. Das heißt, vor Bruder Ginos Tod waren andere Möbel da. Dann kamen solche aus seinem Nachlaß herein. Aber die Stille ist, wie sie war. Hier habe ich die Vorbereitungen all meiner Vorlesungen geschrieben, aus denen nachher die Bücher entstanden. Nachher werden Mutter, Mario und Romana schlafen gehen. Um halb zwölf werde ich aufstehen, nach dem Feuer sehen und auch gehen. In der Halle werden ringsum die Wandlichter brennen, die Mario anläßt, damit ich sehen kann. Die brennen still, und zwischen steht die große Plastik, eine marmorne Venus mit dem Cupido. Das ist immer feierlich und ein klein wenig unheimlich. Ich drehe dann die Lichter ab und gehe die Treppe hinauf. Die obere Halle ist dunkel und wird plötzlich wach, wenn ich eine Lampe anstelle. Sie ist viereckig, 12 Schritte auf jeder Seite, und darüber eine runde Kuppel, ich glaube, 10 Meter hoch. Oben an den Wänden Grisaillen, und zwei große klassizistische Landschaften darunter. Das Bild ist immer wieder schön; der hohe Raum, der so gar nicht in unsere kümmerlich bedrängten Wohnverhältnisse paßt. (Der Raum meiner ganzen Wohnung ist kleiner als der des Eßzimmers hier.) Von allen Seiten gehen die Schlafzimmer auf ihn hinaus, und man denkt unwillkürlich eine Goldonische Komödie sich abspielen. Aber alles ist einsam, immer einsamer, und ich denke, es wird nicht lang mehr dauern ... In allem fühlt man das Zu-Ende-gehen. | ||
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