Romano Guardini Online Konkordanz
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daß man spüre, wohin ein zu sagendes Wort gestellt werden muß. - Eine tiefe Besinnung darauf wäre nötig, was "Kritik" im Wesen ist; welche Kräfte in ihr wirken; wann sie baut, wann sie zerstört. Wir haben heute öffentliches Faustrecht hierin; Freibeuterei. Das Recht, in der Öffentlichkeit und am Öffentlichen Kritik zu üben, hat doch offenbar nur Sinn, wenn es nicht nur von einer abstrakten Verantwortung gegen "die Wahrheit" getragen wird - heute weithin in völlig gewissenlosem Subjektivismus verwildert, und unter die Ansprüche der Sensation, des Artikel und Redebedürfnisses geraten - sondern von konkreter Verantwortung gegen das lebendige "Gemeine Wesen". Und ferner von einer "Kritik der Kritikfähigkeit" geregelt; vom Bewußtsein, wann einer in der Lage ist, den Gegenstand richtig zu sehen; zu messen; zu beurteilen, und wann nicht.
Und so viel der Art. Hier liegen wichtige Voraussetzungen lebendiger Politik, d.h. der Kunst, für Kräfte, Dinge und Menschen, für lebendige Wirklichkeiten Luft und Ordnung zu schaffen, in der sie zusammen bestehen und sich zu einem Höchstmaß von Leben entfalten können.




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