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heißt, es zu entbehren! Aber in diesem Lichte werden die Wege sichtbar, und geraten die Werke. Die Wahrheit ist das Licht unseres eigentlichen Daseins; der Raum und die Ordnung, in denen wir leben. Indem sie aber so vor allen Zwecken steht, bildet sie die Gewähr dafür, daß diese, wenn sie kommen, richtig gesehen und erfüllt werden. Allzulange schon ist das Christentum von Zwecken durchsetzt. Wir haben es moralisiert, zu Aktivitäten und Praktiken gemacht, und darüber hat es seine Wesenhaftigkeit verloren. Wir müssen einsehen, daß uns die Wahrheit der Offenbarung zunächst nicht dafür gegeben ist, damit wir etwas mit ihr machen, sondern damit wir sie anbeten und mit ihr leben. Freilich wirklich »anbeten«, und wirklich »leben« – nicht bloß hören und lesen, schön finden und genießen! Das aber ist nichts Bequemes. Im Gegenteil; es ist schwerer und greift tiefer als das Tun im gewöhnlichen Sinn. Ja bedeutet selbst ein Tun, nur sehr stiller, innerlicher Art: das Tun des inneren Umdenkens; das Tun des betrachtenden Gebetes; das mühsame und notbringende Tun, welches darin besteht, die Wahrheit der Offenbarung in Geist und Gemüt zu tragen und den Widerspruch auszuhalten, den sie beständig erfährt. Aber nur so kann die christliche Existenz wieder Stand gewinnen. Die Welt um sie her trägt sie nicht mehr. Der Glaube ist für sie nicht mehr Atmosphäre, allgemeine Anschauung, überall wirksame Ordnung des Lebens. So kann der Christ nur bestehen, wenn sein Geist sich in die göttliche Wahrheit verwurzelt. | ||
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