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wenn ihnen nicht eine große Herzensstumpfheit entschuldigend zu Gute kommt, ein defectus cordis*323, - aber darüber hast Du doch Gewalt, ob all diese Erfahrungen in Liebe und Milde gelöst und überwunden werden, und gute Frucht bringen, irgendwo, irgendwann - oder ob sie sprengend und schädigend wirken. Du kannst, wenn irgend einer, all das weite, oft schwere und schmerzliche Leben in Dir zur Klarheit führen. Das ist der Grund, weshalb es den Menschen in Deiner Nähe so wohl und friedlich wird; sie fühlen, daß da das Leben tief erfühlt, und doch durch gute natürliche und übernatürliche Kräfte gefriedet wird. Und das wird Dir auch mit diesen Erfahrungen gelingen. Was ich Dir da geschrieben habe, tat ich deshalb, weil ich mir denke, wenn ich Dir so ganz offen Deine Kräfte und Möglichkeiten vorhalte, so macht es Dich zuversichtlicher und setzt Dich gleichsam besser in deren Besitz. Die Zeit jetzt ist weiter nichts als die Zeit der Gesundung, nicht wahr? Und da bitte ich Dich recht eindringlich, pflege Dich gut; tu doch alles, was Du kannst, damit endlich dieser lästige und beschwerliche Gesundheitszustand gebessert wäre. Du mußt unglaubliche Widerstandskraft haben, daß Du das so lang aushieltst; nun aber sorg, daß Du gesund wirst, wir brauchen Dich, sehr, sehr, hörst Du? Und gesundende Kräfte hast Du noch genug! Nun behüt Dich Gott! Romano. D. M. habe ich mein Mskr.*324 geschickt. Im Maß es fertig wird, folgt das übrige. Ich bin für die Hilfe überaus dankbar. Dann gedenke ich, Duchesne, Les origines du culte chrétien*325 zu schicken, eine Geschichte der Lit. bis 800, soll nach P. Anselm ein Meisterwerk sein, Cabrolsche Methode*326. Zum Lesen und viell. Übersetzen. Im Deutschen haben wir nichts derart! Denk mal, wenn man die Übersetzung dann anbringen könnte! Jedenfalls ists jetzt eine schöne Arbeit, was auch nachher damit geschieht. 323 »Fehl des Herzens.« 324 Manuskript der Dissertation; vgl. Br. 38. 325 Louis Marie Olivier Duchesne, Origines du culte chrétien, Paris 1889; wurde später von Maria Knoepfler übersetzt (Ms. liegt unveröffentlicht im Archiv Mooshausen). Am 19. Juni 1917 richtete Guardini einen Brief an Abt Ildefons Herwegen von Maria Laach: »Wie mir seiner Zeit P. Anselm in Beuron sagte, sind Duchesnes Origines du culte chrétien ein sehr wichtiges Buch. Eine mir befreudete Persönlichkeit, die um eine interessante Arbeit bat, hat es übersetzt. Hätte diese Übersetzung wohl Aussicht auf das Interesse der Verleger?« Zit. nach P. Angelus Häußling, vgl. S. 7, Anm. 5. 326 Fernand Cabrol; vgl. Br. 27. | ||
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