Romano Guardini Online Konkordanz
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Du seist jetzt krank*331 - O, jetzt hat der Körper und die Nerven ihr Recht gefordert für all das Übermenschliche, das sie in den vergangenen Zeiten leisten mußten. Und nun läßt Du ihnen ihr Recht, nicht wahr? Schau, ich meine, jetzt bin ich bei Dir, und nehme Dich an beiden Händen, weißt Du, wie ich es manchmal tat, wenn mein lieber, böser Freund sich so plagte, - und Du folgst mir jetzt, nicht wahr? Jetzt ruhst Du aus, so gut Du nur kannst, schläfst recht viel und ißt ordentlich. Aber vor allem läßt Du Deine Seele, Dein Gemüt ausruhen, ganz, ganz tief. Du darfst es wahrlich. Tu es in der Überzeugung, daß alles wohl und gut ist, worauf Dein Leben zu innerst ruht! Du bist nun wie ein Soldat, der lang auf einem Posten stand, der über seine körperlichen Kräfte ging, den er aber nicht verlassen durfte. Jetzt ist er mit hohen Ehren abgerufen worden. Und nun ruht er, hörst Du? Und pflegt sich, für die, die ihn lieb haben. Das verlangen die von ihm. Dazu gehört aber vor allem auch, »daß er nichts ins Herz hineinlasse was ihn stört«. Du Arger, gilt das nur für die andern? Und daß er das in Ruhe halte, was schon drinnen ist! -
Und wenn Du Zeit hast, schreibst mir wieder, gelt?
Jetzt mach' ich die letzte Bearbeitung der Übersetzung.*332 Die Empfehlungsbriefe streiche ich; ebenso die Unterstreichungen u. die Einteilungen. Nur der glatte, schlichte Text bleibt. Großes Vergnügen machen mir D. M.s. und Deine Vorschläge. Ich verwende sie fast alle. Hie u. da behalte ich allerdings meinen Kopf.
Bitte die allerbesten Grüße an Deine lieben verehrten Eltern und an Deine Schwester. - Es ist mir auch eine liebe Hoffnung, wenigstens auf kurze Zeit Dich besuchen zu können. Will sehen, was meine Arbeit macht. Es ist viel Zeug. Die Abschrift D. M. ist mir sehr willkommen.*333
Dein R.


331 Vgl. Br. 40.
332 Lucie Christine, Journal Spirituel.
333 Vgl. Br. 68.

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