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schafft, Epigonentum ist; abgelegte Gedanken, Kompromißtechniken. Ich halte die Treue, einem Unsichtbaren, einem Wesenskern, der dahinter steht. Alles andere ist ein stets erneutes »Trotzdem«. Mir ist manchmal, als sei eine unendliche Beschämung im Anzug. Und ich fürchte mich vor dem Augenblick, in dem mir ganz hüllenlos klar wird, wie armselig der wirkliche Katholizismus ist. Und wenn einem Glauben noch dazu nur heißt, daß man von den Türen nicht weggeht, obwohl sie geschlossen bleiben ? Durch was muß die Kirche noch hindurch! Aber innerlich! Was geschehen muß, ist schwer, und von solchen Dimensionen, daß man aktiv nichts machen kann. Man kann nur ausharren, den Geist lebendig halten, den Sinn willig, damit geschehen könne, was durch einen hindurch geschehen muß. Denn was wir tun, die Leute, die katholisch heißen, Bücher schreiben und Reden halten und organisieren, ist so verzweifelt nichtssagend, wenn das eigentliche Geschehen nicht von andersher kommt, dann sind wir am Ende. Manchmal will einen die vollkommene Skepsis fassen. Überdruß an all dem Gewäsch und Gemache. Vielleicht überschätze ich sie; aber ich meine, das reine Tun und die schaffenden Impulse sind draußen. Warum muß das sein, daß die Verachtung der Gegner der Kirche so viel recht hat? Aber wir müssen durch die Verachtung hindurch. Es hat keinen Sinn mehr, zu verbergen und zu verteidigen. Der Glaube geht auf Gott und auf den Gotteskern in der Kirche. Und alles - aber uns selbst mit - müssen wir ins Feuer geben. Wir haben kein Urteil. Wir können nur Ja dazu sagen, daß alles geläutert und geschieden werde, tamquam per ignem*763. Aber nun meldet sich die Kritik und sagt, daß ich viel zu große Worte gebraucht habe. Ich fürchte mich ja vor dem Feuer! Also sagen wir dann: durch das große Geschehen, und lassen es Gott, was es uns werden soll, ob Feuer oder bloß ein Aushalten im Gefühl bitteren Minderwertigseins. Mir hat Zielsetzen und Zielerstreben immer ferngelegen. Ich habe hunderte von Plänen und Ordnungen entworfen und aufgeschrieben; aber es war immer nur Entladung, oder Gestaltung, oder noch etwas, was ich nicht gern schreibe. Wiedergelesen habe ich die Sachen nie, und einfach weitergelebt. Jetzt aber tu ich es mehr als je. Einfach weiterleben. Und alle Augenblicke schrecke ich auf, und ein neuer Tag oder eine Woche sind vorbei. Wo sind die Maßstäbe für Wahr und Falsch? Wo ist der Maßstab, der uns gestattet, zu sagen, die Kirche ist die wahre? Diese heutige? Ich verstehe nicht, wie einer mit einem Problem fertig werden kann! - Bleib gesund Joseph. Wie geht es euch beiden? Ich freue mich auf den Besuch. Romano 763 1 Kor 3,15: »Wie durch Feuer«. | ||
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