Romano Guardini Online Konkordanz
Treffernummer:

 < Seite 30> 


folgt der große Bericht von dem »Manne«, der mit ihm ringt, die ganze Nacht, bis zur Morgenröte, und ihn nicht bezwingen kann. Im Kampf schlägt der ihn an das Hüftgelenk; es wird verrenkt, aber Jakob gibt nicht nach: »Ich lasse dich nicht los, ehe du mich gesegnet hast!« Da gibt ihm der Mann einen neuen Namen: »Israel, Gotteskämpfer, sollst du heißen, denn du hast mit Gott und Menschen gekämpft und bist Sieger geblieben.« Er segnet ihn, und »die Sonne geht auf.«
Jakob ist an Gott geraten. Der »Mann« war »der Engel Gottes«, eine rätselhafte Gestalt der alten Heilsgeschichte, Bote des Herrn, und irgendwie Gott selbst zugleich. Mit ihm kommt Jakob in Kampf. Dieser Kampf aber ist ein großes Geheimnis, denn es heißt, daß der Mann Jakob nicht bezwingen konnte, und doch Gott war. Dann aber schlägt er auf das Hüftgelenk, und es wird lahm! Was ist das? Ist er nicht stark, dieser da? Lähmt er nicht mit einem Schlag die Hüfte, und vermag ihn doch nicht zu bezwingen? Wie kann das sein? Daß Gott mit dem Menschen ringt? Also ist der Mensch etwas, was vor Gott besteht. Und Gott hat ihn selbst dazu gemacht. Er hat Sich einen Gegner hingestellt, und ihn Sich selbst gegenüber stark gemacht, daß ein Kampf möglich wird. So allgewaltig ist Gott, daß Seine Berührung lähmt - und dennoch ist dem Menschen ein Geheimnis gegeben, daß er gegen Gott aufkommt ... Wieder fühlen wir das Besondere dieses stillen, wachen Menschen. Jakob hält stand. Ganz sicher, Esau wäre zusammengebrochen! Jakob ist natürlicherweise schwächer als der reckenhafte Bruder. Aber er ist stark im andern, »vor Gott.« Da steht er. Gott »kann ihn nicht bezwingen.« Die Frucht aber des Kampfes ist ein neuer Name. Ein Wesensname, welcher schafft, indem er benennt: »Du sollst Israel heißen, Gotteskämpfer. Du hast mit Gott gerungen und bist Sieger geblieben.«
Das haben wir Menschen in uns, daß wir mit Gott kämpfen können. Er selbst will es. Er will »überwunden« sein. Er verlangt nach dem Menschen, der Ihm standhält, der seinen Willen - den anderen, inneren Willen, der ja bereits eine Gabe

 < Seite 30>