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Auf sie sammelt sich der Haß der selbstherrlichen Kultur, von Celsus und Julian bis zum Liberalismus und positivistischen Materialismus unserer Zeit. Die gleiche Kirche aber bedeutet zugleich das gewaltige Werk der Einbauung aller Kulturwerte in das religiöse Verhältnis. Sie ist religiöse Kultur intensivster Art. Man hat ihr vorgeworfen, sie sei der Kulturfeind und unterdrücke die Natur; und ebenso vorgeworfen, sie mache das Christentum unschädlich, sei ein weltliches Gebilde von menschlicher Klugheit, Macht und raffinierter Kunst des Ausgleichs. Die Einen haben gesagt, mit ihren über-weltlichen Ansprüchen zerstöre sie Kraft und Einheit des natürlichen Schaffens, die Andern, sie verrate Gottes absoluten Anspruch an die Kultur, verschleiere die Inkommensurabilität und lähme mit ihrer Kasuistik die Wucht der Entscheidung. Alles das beweist nur: die Kirche ist, was sie heißt: allumfassend, »katholisch«. Bewußte Übung liturgischen Lebens kann zu religiösem Ästhetizismus werden. Geschieht das, so hat das christliche Gewissen recht, wenn es Einspruch erhebt, denn es sieht den Ernst jener Frage gefährdet, von der alles abhängt: der Frage des Heils. Besser einfachste, aber ernste Volksfrömmigkeit als solche »Religionskultur«. Ebenso verhängnisvoll aber wäre es, sich aus ungerechtfertigtem Mißtrauen gegen eine sorgsame Heranbildung religiös-sittlicher Kultur zu stemmen. Es würde sich bitter rächen. Das religiöse Blickfeld müßte eng werden, das Denken seicht, der ganze geistige Gehalt verarmen, und das Glaubensleben selbst würde Schaden leiden. So handelt es sich, nachdem auf das »eine Notwendige« mit allem Ernst hingewiesen worden ist, um eine Angelegenheit des Maßes, das versteht, »Eines zu tun und das Andere nicht zu lassen« (Mt 23,23). | ||
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