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will ruhig bleiben. Ruhig hierbleiben. Nicht fortrennen, weder äußerlich, noch auch mit den Gedanken. Was mich da fortziehen will, ist gar nicht so wichtig. Ich kann es auch morgen tun. Jetzt bleibe ich hier. So stellen wir uns aus der Hetze heraus; ganz in die bloße, ruhige Gegenwart. Wir lesen etwas Schönes, versenken uns in irgendeinen guten Gedanken, betrachten ein Bild. Können uns auch den Stuhl an ein Krankenbett rücken, oder zur alten Mutter, oder im Geiste bei einem fernen Freunde sein ... Oder sitzen bloß und lassen es innerlich still werden ... Siehst Du, von diesen kurzen Augenblicken her bauen wir den Sonntag auf. Wir können ihn nicht ohne weiteres rein verwirklichen; dazu sitzt uns die Unrast der neuen Zeit zu tief in den Nerven. Wir müssen das Ruhen lernen. Auf diese Weise können wir es. Von hier aus kommen wir dann weiter. Lies einmal nach, was der erste Brief über die Sammlung sagt. jenes kurze Innehalten im Laufe des Tages ist auch ,Sonntag«, mitten im Tagewerk. So erringen wir langsam wieder die Kraft des Ruhens, die Kraft des Schweigens, des Still- und Gegenwärtigseins. Und dringen dann immer weiter ein in das Reich wesenhaften Lebens, in das Reich der Seele. Und von hier aus werden wir in der Welt auch Stärkeres und Besseres vollbringen, als mit tausend aufgeregten Reformen. Aus dem Schweigen lernen wir das wirklich sprechende Wort; aus der Einsamkeit die Kraft wesenhafter Gemeinschaft und aus ruhigem Wartenkönnen die entschlossene, zur rechten Stunde vollbrachte Tat. | ||
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