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Eine Einsamkeit hinter der Gemeinschaft. Eine Stille hinter dem Wort. Eine Gelassenheit hinter der Entscheidung. Weil alles das heute weithin verloren ist, darum steht es so furchtbar um uns. Wenn man durch die Stadt geht, durch ihren Lärm, von einer Bahn zur anderen, über die Straßen, wo alles hetzt, an den Läden vorbei, nach denen tausend gierige Augen blicken -muß man seine Seele festhalten, daß sie nicht hinausgerissen wird in all das Rennen und Schreien und Begehren. Kein Schweigen mehr; Schwätzen ohne Ende. Immer wird geredet, laut, wortreich. Über alles wird geredet, geschrieben, gehört. Nichts bleibt heilig. Nichts ist geborgener Bezirk der Stille, auch das Ehrwürdigste nicht. Alles wird ausgesprochen; alles zerfasert, zerfetzt, ohne Ehrfurcht, noch Scham. In den Zeitungen, in der Gesellschaft, im Versammlungssaal. So ausgebildet ist das Gerede, daß jeder die Worte hat. Alle Worte sind zur Verfügung gestellt, die erhabenen, die scharfen, die feinen, die weisen und tiefen, die aufrührerischen, die erschütternden, alle. Alle Register stehen bereit und werden gezogen - doch nein; eine Weise des Redens ist geborgen in Gottes Schoß: die ganz einfache. Die kann keiner nachmachen, dem sie nicht wahrhaft aus der Stille des Herzens kommt. Aber alle andere Rede klappert und rasselt und dröhnt, und immer weniger sagen die Worte, immer leerer werden sie ... Keine Einsamkeit ist mehr. Alle rennen zueinander, in Versammlungen, Vereinigungen, Organisationen. Masse auf den Straßen, Masse in Gasthaus und Belustigungsraum | ||
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