Romano Guardini Online Konkordanz
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wundersamer Augenblick: die Tagesmitte. Da schaut das Leben nicht in die Zukunft, denn es drängt nicht voran. Das Absinken hat noch nicht begonnen, so sieht es noch nicht ins Vergangene zurück. Es steht, aber nicht müde, ist noch aller Kraft des Laufes voll. Es steht in reiner Gegenwart Und sein Blick geht ins Weite und Tiefe.
Wie ist der Augenblick des Mittags reich! In der Stadt, wo alles lärmt und rennt, empfindest du ihn nicht. Aber geh hinaus, durch die Kornfelder, oder auf die stille Heide, im Sommer etwa, wenn die Sonne im Scheitel steht, und die Weite glüht - wie wird dann alles so tief! Du stehst, und alle Zeit versinkt. Dann kann es sein, du fühlst, wie die Ewigkeit dich anschaut. In alle Stunden spricht die Ewigkeit, aber dem Mittag ist sie Nachbar. Da wartet die Zeit und tut sich auf. Der Mittag ist reine Gegenwart, die Fülle des Tages.
Fülle des Tages ... Nähe der Ewigkeit ... Warten und offen sein ... Fern her tönt die Glocke zum „Engel des Herrn“. ... Sie spricht in den schweigenden Mittag die erlösende Botschaft:
„Der Engel des Herrn brachte Maria die Botschaft: und sie empfing vom Heiligen Geist -
Maria sprach: Siehe, ich bin eine Magd des Herrn ... mir geschehe nach deinem Wort -

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