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111. Brief vom 17.06.1928, Potsdam. Potsdam 17.6.28 Lieber Joseph! Noch habe ich auf manche Nachricht von Dir zu antworten. Vor allem, wie schön das war, was Du über Frau Oldenbourg berichtet hast.*846 Ich war sehr überrascht. Ich freue mich herzlich, daß sie nun die Heimat hat, nach der sie suchte. Wie ists mit der Wangener Forderung gegangen?*847 Habe oft daran denken müssen. Mir will es gar nicht in den Sinn, daß man hier solche Dinge solle machen können. Du wirst Dich aber Doch ordentlich wehren? Frau Kempner hat mir Deinen Brief gezeigt. Das ist schön, daß Du kannst.*848 Hoffentlich kommt nichts dazwischen. Gerade heute war ich draußen in Werder. Zufälligerweise war auch der Besitzer der Sache in Ascona da. So hat Frau K. mit ihm schon alles geordnet, und Du wirst sicher große Freude haben. Daß ich auch mit dabei sein werde, war ein Mißverständnis. Zu der Zeit bin ich bei der Mutter. Aber ich denke, nachher werden wir uns treffen können. Denke beizeiten daran, Dir einen Paß zu verschaffen. Ascona ist Schweiz; und Du wirst gut tun, auch ein italienisches Visum dazu zu nehmen. Das Haus hier geht voran. Ich hoffe, bis August etwa wird es fertig. Ob Du wohl bereits Schritte getan hast? Und mit Erfolg? Zu erzählen wäre viel; zu fragen und zu besprechen. Ich wäre froh, ich hätte Dich hier. Die vergangenen Wochen waren nicht schön. Die alte Unsicherheit und das Untüchtigkeitsgefühl sind wiedergekommen. Nun gehts ein bischen besser, aber doch nur obendrauf. Es wäre schon gut, wenn Du nach Berlin kämest, und nicht nur um Deinetwillen! Nun gute Nacht. Es ist schon sehr spät! Romano. 846 Rachel Maria Oldenbourg (15.8.1876 bis 12.11.1943), Konvertitin vom Judentum zum Katholizismus; Konvertitenunterricht und Taufe 1928 durch Josef Weiger; unveröffentlichte Briefe und ein Notizbuch mit geistlichen Texten von ihr befinden sich im Pfarrhaus Mooshausen. Der Familie gehört bis heute der Oldenbourg Verlag München. 847 In Bezug auf die Erbstreitereien. 848 Fanny Kempner plante, Josef Weiger auf eine Reise nach Ascona mitzunehmen, was auch stattfand; vgl. die folgenden Briefe. | ||
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