Romano Guardini Online Konkordanz
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zu machen. Man will den Preis klein machen, um zu zeigen, daß es nicht schwer sei, ihn zu bezahlen; vergißt aber darüber, daß was wenig kostet, eben billig ist. Manchmal denkt man, der beste Dienst, den man unserer Zeit leisten könnte, wäre der, das Christentum schwer zu machen.
Es gibt edle Kräfte, die wollen belastet sein, dann steigen sie auf. Ist unser Christentum nicht zu billig und darum gerade den Besten wertlos? Ist es nicht weithin spießig geworden? Angelegenheit eines durchschnittlichen Verstandes? Es kann doch nicht zufällig sein, daß Kierkegaard und die ganze Strömung, die von ihm her kommt, so tief wirkt. Er hat es als seine Aufgabe gesehen, zu zeigen, daß das Christentum nichts Wohlfelles sei. Das heißt gewiß nicht, man solle »den glimmenden Docht auslöschen, und das geknickte Rohr zertreten«. Man soll aber Auskehr halten mit dem Geist der praktischen Vernünftigkeit und alles beweisenden Apologetik, und das Christentum wieder sein lassen, was ist es: Geheimnis und Gnade, die über alle Vernunft gehen. Zugleich freilich die weite Menschlichkeit und die große Liebe und die selige Freiheit der Kinder Gottes haben, die das Wesentliche vom Unwesentlichen zu scheiden vermag und weiß, daß »des Paulus das Säen ist und des Apollos das Begießen, das Wachsen aber Gott gibt«. Und dieses Wachsen hat viele Weisen, bei jedem eine andere. Es hat seine Stunde und braucht seine Zeit. Und im Eigentlichen kann Keiner »richten«, als Gott allein.



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