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Leben – zugleich aber auch sein „Kleid“, nämlich der Leib, der ihn verhüllt und offenbart zugleich ... Darauf die „Liebe“, die erwacht, wenn in einer lebendigen Stunde Menschen einander begegnen – mit ihr erwacht aber auch das Schicksal, und darin ist immer „Leid“ ... Alles zusammen schließlich ist „Zeit“ und vergeht – aber hinter ihr wartet das, was gilt und bleibt: die „Ewigkeit“ ... Ich sagte, in alledem steht nicht ein einziges Zeitwort, so seien die beiden Verse eigentlich gar kein richtiger Satz – das trifft aber nicht zu; es ist doch eins drin, nur verborgen. Es steckt in dem Buchstaben am Anfang, dem „O“, das alles Folgende mit seinem dunkel strömenden Ton umhüllt, und sagt, über den Menschen, der da redet, sei das Geheimnis des Daseins gekommen, und nun blickt er hinein, und erschauert vor ihm, und preist es doch ... Lassen Sie die beiden Verse in diesen Augenblick hineinsprechen. In ihm vollzieht sich die Wende der Jahre. Ein Jahr ist vorbei, ein langes Stück Leben; ein anderes beginnt, aber wie lange es unser sein wird, wissen wir nicht. So lohnt es sich wohl, einen Augenblick innezuhalten und hinzuhorchen. Mehr kann ich nun nicht sagen, denn die zugebilligten Minuten gehen zu Ende. Suchen Sie sich aber doch Clemens Brentanos Verse heraus – sie stehen in dem Gedicht „Der Tod“ – und sprechen Sie sich selber zu; einmal, und noch einmal, und noch ein drittes. Und lassen Sie sich von ihnen an das erinnern, das hinter alledem liegt, was „Zeit“ heißt. Darf ich die beiden Zeilen noch einmal sagen? „O Stern und Blume, Geist und Kleid, Lieb, Leid und Zeit und Ewigkeit!“ | ||
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