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Hinter dieser Sachlichkeit steht ein Haß; aber kein dämonischer, wie bei einem Jago oder Richard dem Dritten, der zerstört um der Zerstörung willen, sondern der Haß verschiedener Artung und Gesinntheit, des unköniglichen Kaufmanns gegen den königlichen. Er sagt es selbst mit einer verblüffenden Genauigkeit: Wie sich kein rechter Grund angeben läßt, Daß der kein schmatzend Ferkel leiden kann, Der keine Katz, ein harmlos nützlich Tier, Der keinen Dudelsack; und muß durchaus Solch unfreiwilliger Schmach sich ergeben, Daß er, belästigt, selbst beläst'gen muß, So weiß ich keinen Grund, will keinen sagen Als eingewohnten Haß und Widerwillen, Den mir Antonio einflößt, daß ich so Ein mir nachteilig Recht an ihm verfolge. Habt Ihr nun eine Antwort? (IV 1) Von dieser Art waren die Gedanken, die mir durch den Kopf gingen - und verzeihen Sie, daß ich sie in einem solchen Ja und Nein und Dennoch dargestellt habe. Es sollte ja nur unser Gespräch von gestern fortführen. So habe ich auch immer Ihre Einwände gehört und auf sie zu antworten gesucht. Ob ich Sie freilich überzeugen konnte, weiß ich nicht. Mir waren die Gedanken jedenfalls wichtig. Shakespeares Dichtung hat eine Mächtigkeit und Einfachheit zugleich, deren Rätsel schwer zu fassen sind. Sie ist wie die Welt selbst. Daher freue ich mich immer, wenn ich irgendwo einen Faden in die Hand bekomme, um ein Stückchen dieses unendlichen Gewebes auflösen zu können. Nachher lasse ich ihn aber gern wieder zurückgleiten; denn Shakespeares Unbegreiflichkeit ist immer noch schöner als alles, was man von ihm begreifen kann. Herzlich Ihr R. G. | ||
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