Romano Guardini Online Konkordanz
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schildert sie, aber nie um ihrer selbst, sondern immer um des Menschen willen, der in ihr lebt. Ihrer Formen und Stimmungen mächtig, macht er sie zum Ausdruck für den Menschen – so ganz und unbedingt, wie der romanische Buchmaler die Körper zum Ausdruck der Seele gemacht hat.
Überall finden sich in der Göttlichen Komödie echte Landschaftsschilderungen, die fähig wären, sich herauszulösen und aus sich selbst heraus zu entfalten; sie werden aber vom Dichter in ganz dienender Stellung gehalten. Dadurch entsteht sehr Großes. Die menschlichen Gestalten, die er schildert, und in denen sich geistige Gesinnungen und göttliche Gerichte ausdrücken, werden von Landschaften umgeben, welche diesen Ausdruck noch einmal vertiefen und ausweiten. Es ist, um den gängigen Ausdruck zu gebrauchen, ein expressionistisches Daseinsbild. Die Umwelt wird zum Ausdruck der menschlichen Gestalt, die ihrerseits geistige Gesinnungen und göttliche Urteile offenbart.




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