Romano Guardini Online Konkordanz
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II.
Auch muß zur richtigen Einschätzung des Gesagten betont werden, daß die ganze hier gegebene Schilderung in erster Linie vom Mann her gesehen ist.
Sie von der Frau her zu sehen und zu zeichnen, fühle ich mich nicht berufen. Das zu tun, wäre Sache einer Frau, und eine Aufgabe, die sehr dringlich ist. Eine verhängnisvolle Tendenz unserer Zeit geht dahin, die Geschlechter einander anzugleichen. Unter den Begründungen, welche diese Tendenz sich gibt, spielt die, zwischen den Geschlechtern müsse auf allen Gebieten die "Gleichberechtigung" durchgesetzt werden, eine besondere und verhängnisvolle Rolle. Wer fähig ist, die vielfach sich verwebenden Linien zu unterscheiden, auf welchen ein Impuls dieser Art wirksam wird, zweifelt nicht daran, daß das faktische Ergebnis eine Zerstörung der weiblichen Eigenart und damit eine gründlichere Entrechtung sein wird, als sie je war.
Der echte Weg zum Gleichgewicht der Rechte führt über die Entfaltung der Eigenart, denn nur in dieser liegt der Sinn und nur aus ihr kommt die Kraft.

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