Romano Guardini Online Konkordanz
Treffernummer:

 < Seite 82> 


und Dinge wie Geschehnisse werden zu »Winken« der göttlichen Hand.
Freilich, solche Augenblicke sind keine Regel, und ihre Klarheit dauert nicht lange. Besonders bei Menschen, die ein schweres Gemüt in sich tragen, ist es zuweilen, als öffne sich plötzlich alles und werde für den inneren Sinn durchsichtig; dann aber zieht sich die Dunkelheit wieder darüber, das Herz wird wie in einem Kerker eingeschlossen, die Worte von Sinn und Führung klingen leer, und die Mühsal des Glaubens beginnt aufs Neue.
Das alles beweist, daß die Vorsehung auf eine Zukunft ausgerichtet ist. Im Raum der Erde, in den Ereignissen unseres persönlichen Lebens und im Gang der Geschichte ist sie verhüllt. Erst im Gericht wird sie offenbar. Das heißt: die Vorsehung hat letztlich eschatologischen Charakter. Sie ist auf das Werden der neuen Welt bezogen, welches sich durch den Lauf der alten, vom Menschen verdorbenen hin vollzieht. So ist ihr nicht das Wissen, sondern das Glauben; nicht die nachprüfbare Sicherheit, sondern die Hoffnung zugeordnet. Beides aber, Glaube wie Hoffnung, bedeuten nicht weniger als Wissen und Sicherheit, sondern mehr. Freilich ein Mehr, das seinen Raum noch nicht hat und sich für die Regel nur in der Weise der Fragwürdigkeit zur Geltung bringen kann.




 < Seite 82>