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Sphäre Ausdruck des Höheren auf das Niedere hin. Anders gesagt: jede Sphäre offenbart, läßt das Höhere im Niederen aufleuchten, schafft Epiphanie. Auch hier ist also Leiblichkeit, aber kosmische. Gottes unzugängliches Licht ist an sich schlechthin entrückt; es wird an Lichtgestalten schaubar. Schaubar und wirksam, denn dieses Licht ist zugleich Macht. Es stellt ins Sein. Es bewahrt vor dem Fall ins Nichts. Es gliedert und ordnet. Das geschieht einmal graduell, so, daß die Lichtfülle von Sphäre zu Sphäre schwächer wird, um schließlich auf der Erde für den Menschen erträglich zu werden; dann aber auch qualitativ, so, daß in jeder Sphäre aus der einfachen Fülle des Urlichtes, wie durch ein Prisma gebrochen, eine besondere Wertfarbe, ein besonderes Sinnelement hervortritt. Dieses Element wird durch die Gestirne bestimmt, welche die Sphären beherrschen, und damit mündet die Tradition der Astrologie, das heißt der Lehre von den das Erdengeschehen lenkenden Himmelsmächten mit ihren ethischen Grundwerten – Hoheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit usw. –, in die Darstellung ein. Konzentrisch aus dem Empyreum eindringend, sammeln sich schließlich alle Strahlen, alle Machtwirkungen auf der Erde. Der Durchgang durch die Sphären hat sie so gemildert, daß dort die dem Menschen erträgliche Atmosphäre der Geschichte entsteht. In ihr ist wohl »Licht«, Sinnmacht. Ja dieses Licht hat eine besondere Qualität, nämlich die Innigkeit. Es wird dolce lume genannt; Lebenslicht, in welchem der gebrechliche Mensch bestehen, atmen und sich zurechtfinden kann. Andererseits aber ist alles so verhüllt, daß die für die Erde charakteristische Verborgenheit der Geschichte, ihrer Gestalten und Begebnisse entsteht. So empfängt die Erde von allen Seiten die Offenbarung des Entlegenen und Unsäglichen, aber doch so, daß es nicht überwältigt, sondern Freiheit und Entscheidung, Erkenntnis und Irrtum, Gutes und Böses möglich werden. | ||
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