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der Kunst überhaupt zusammen, die offenbar einen neuen Ort sucht und damit einen anderen Charakter annehmen muß – und ebenso mit der Krise des religiösen Lebens. Beide aber sind ihrerseits mit der Umformung des gesellschaftlichen Daseins verknüpft. Daß der Wunsch nach dem Kultbild empfunden wird, scheint sicher. Er steht im Zusammenhang mit jener Bewegung, die wir die liturgische nennen; dem Verlangen also, aus dem neuzeitlichen Subjektivismus heraus in ein seinsmäßig vom Werden der neuen Schöpfung bestimmtes christliches Leben zu kommen. Die Tatsache, daß die soziologische Struktur sich aus der individualistischen in die ganzheitliche wandelt, setzt den Sachverhalt ins Allgemeine fort. Ebenso die andere, daß unser Geistesleben den Schwerpunkt vom Problem weg auf das Prinzip, vom Suchen auf das Bauen, vom Psychologischen auf das Ontische zu rücken scheint. So darf man vielleicht nicht nur den Wunsch, sondern auch die Möglichkeit annehmen, daß wieder ein Kultbild entstehen könne. Freilich würde dazu eine entsprechende innere Erfahrung gehören – „Erfahrung“ nicht im Sinne religiöser Bewegtheit, sondern eines echten Darangeratens an die Wirklichkeit Christi und Gottes verstanden. Damit sind wir aber bei einer Frage der religiösen Bildung angelangt: in welcher Weise nämlich das Psychologische, Rationalistische, Moralisch-Zweckhafte, Religiös-Organisatorische und Technische zur Seite geschoben, und der Glaubende wieder an die Wirklichkeit Gottes, an die Wirklichkeit Christi, an die Wirklichkeit der werdenden neuen Schöpfung herangeführt werden könne. Doch komme ich weit von unserer Frage ab, und überlasse Ihnen, verehrtester Herr Doktor, was ich hier herauszuholen suchte. Es wäre schön, wenn die Historie, großmütig die begangenen geschichtlichen Fehler übersehend, herausfände, daß sie damit etwas anfangen kann. Darauf hoffend, grüße ich Sie in alter Verbundenheit Romano Guardini | ||
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