Romano Guardini Online Konkordanz
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Elementare. *4 Es schafft alles weg, was an der Erscheinung kümmerlich oder sentimental sein könnte, und endet im Anruf: "O mein Ritter"! Denn was da durch das Gebot des Vaters in so harten Dienst genommen wird, ist göttlich-elementare Kraft.
Das alles ist "nicht zu verwundern". Ist evident und kann nicht anders sein. Denn wie ist das mit der Pflugschar? Die arbeitet in der Tiefe, fährt durch die Erde, wird aber eben dadurch so "blank gewetzt", daß sie "schimmert". Ihre Bewegung ist "schiere Mühsal"; nicht freie, naturhaft-wilde Selbstauswirkung, sondern Wille und Plage; deren Wirkung aber ist schön.
Soweit scheint alles klar; schwierig ist das Folgende: Zur "Evidenz" des Ganzen gehört, daß "blau-fahle Asche fällt und reibt sich wund" - aber auch, daß sie "klafft scharlachgolden". Man sieht nicht, an welches Element im anschaubaren Vorgang die Worte anknüpfen. Vielleicht versucht man es so: Die "Asche" ist etwas, das auf dem Eisen sitzt, etwa Rost. Durch den Stoß fällt er ab, dadurch wird er aber heiß und glüht auf... Doch nun schiebt sich ein anderes Bild hinein, das von der verborgenen Offenbarung herkommt: der leidende Christus, dessen Wunden im Kampf der Erlösung blutigrot aufklaffen, aber von geheimer Erlöser-Herrlichkeit golden leuchten. Von hier käme dann auch der Ton inniger Liebe, der in dem Anruf "ah mein Liebling!" oder: "mein Liebster" ausbricht, ein Wort aus dem Reich der Mystik.
Falls aber das plötzliche Einschießen dieses Bildes Verwunderung erregen sollte, mag daran erinnert werden, daß Hopkins nicht nur, wie seine Schriften und Zeichnungen beweisen, ein immer neu von der Macht der Gestalten Betroffener, sondern auch einer war, der jeden Tag beträchtliche Zeit in religiöser Meditation verbrachte. Darin entsprang eine Quelle lebendiger, auf die Wirklichkeiten des Glaubens gerichteter Vorstellungen, die dann in jedes Denken und Tun des Tages einfließen konnten.

*4 Die Hymne an Maria (Auswahl S. 130ff) beginnt mit den Worten "Wild air", "Wilde Luft", um die unwiderstehliche, zugleich reine und zarte Kraft des Elements auszudrücken.




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