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Ihr Wesenskonstitutiv ist die göttliche Vorsehung, und das ist der tiefste Grund, warum ein solcher Roman – wenn er nicht ein Bekenntnis enthält oder geschichtlichen Kern hat – tief problematisch ist! Wer wagt zu sagen, so müsse, oder auch nur, so könne im Leben dieses Menschen das Geheimnis der christlichen Torheit sich konkretisieren? Gott vollendet die Aufgabe eines falsch mit der Welt – und damit mit sich selbst – verknüpften Selbst zu seiner Stunde und auf seine Weise, wie ja auch nur er allein den Menschen in diesen tiefsten Geschehnissen kennt. Im lebendigen Vollzug der Nachfolge Christi erfährt der Christ die Torheit – im Maße wie Gott will –, und er kann, da er sich nicht aus sich selbst herausstellen kann, diese Torheit nicht auflösen, obwohl er theoretisch im Glauben weiß, daß diese Torheit den tiefsten Sinn hat, in dem sich jeder Widerspruch echter Werte löst. Wir dürfen wahrhaftig unsere heutige Liebhaberei für das Paradoxe – auch wenn wir ihm fast religiöse Verehrung zollen, dummerweise, weil wir nicht merken, daß sie aus Denkschwäche kommt – nicht vermischen mit den Geheimnissen Gottes. Den Ort des wahren Geheimnisses zeigt uns die Offenbarung, nicht aber der Geschmack; auch nicht der unbefriedigte Geschmack in der Mimikry des „schlechten Gewissens“. Denn dieses gleicht allzusehr der erstaunten Unzufriedenheit jenes ehrgeizigen Christen, der gegen seine eigene gute Tat mißtrauisch ist: weil sie so leicht war. Warum erinnert er sich gar so selten, daß Christi Bürde leicht ist? Weil er in der Überwindung sich selbst sucht. Eben dieser Ehrgeiz versteigt sich auch zu dem gotteslästerlichen Triumph, sich selbst nicht ernst genommen zu haben. Er macht es in seiner Selbstlächerlichkeit noch ein klein wenig besser als sein phantastischer Gott. Was kann dieser dann anders tun als ihn mit Mystik beschenken? Nein, ich bin gegen den Franzosen – und seine geschwätzigen Heiligen ... | ||
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