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fast unnatürliche Spannung zwischen Glaubensinhalt und Aktkraft, die ihren Ausdruck in einer so herben, fast möchte man sagen, skeptischen Glaubenshaltung finden muß - diese Spannung wird sich langsam in etwa lösen. Auf neuer Ebene werden die Aktkräfte erstarken. Hier liegen Probleme der Deutung unserer Kulturentwicklung, der Zielsetzung, der Bildungsarbeit, die jetzt nicht erörtert werden können: alles das, was Werklehre des Glaubens; Werklehre des Betens und des inneren Lebens heißen mag; im Zusammenhang mit einer Werklehre des Geistigen überhaupt, nicht nur im Religiösen. Denken wir doch nicht, die Möglichkeiten der Glaubensrealisation, wie Mittelalter und Barock sie hatten, seien der letzte Gipfel. Es gibt noch andere; vielleicht höhere, solche jedenfalls, die auf unserem Wege liegen. Wir ahnen eine Inbrunst, eine Tiefe und eine Überwindungskraft des Glaubens - zum mindesten ebenso groß wie die des Mittelalters, freilich von ganz anderer seelischer Farbe. Darin aber größer, daß sie eine Fülle von Stützen nicht mehr hat, die jenes besaß. Eine Glaubenskraft, die als Glaube eine Entschlossenheit besitzt, jener entsprechend, wie sie auf dem Gebiet des Denkens der moderne Erkenntniswille, auf dem des Schaffens, Eroberns, Herrschens die moderne Technik hat. Aber das alles ist Zukunft. Und so schlimm eine rückwärts gewandte Romantik ist, die mittelalterliche Glaubensorganik nachzuahmen sucht, oder doch ihr Eigenes der mittelalterlichen Fülle gegenüber aufgibt und sich für abgesunken erklärt - ebenso romantisch wäre eine Glaubensutopik, welche in phantastischer Weise vorausempfindend sich eine "technische" Glaubenskraft einredete, die es in Wahrheit doch nicht gibt. Was uns zugewiesen bleibt, ist das Ausharren im Gehorsam jenes Glaubens, dessen ständige Leistung im "Tragen von Zweifel" besteht. | ||
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