Romano Guardini Online Konkordanz
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Gottes Willen hervorbrechen soll, wie ein Funke aus einer verborgenen Glut; Anzeichen des werdenden Eigentlichen. Freilich steht auch es in der Schwebe, ebenso wie das Bild des christlichen Daseins selbst. Man kann darüber lachen, oder auf die Kniee fallen.
Das Wunder hat eschatologischen Charakter. Es kündet jenes Neue Dasein an, das einst offenbar werden soll. Von dort her, von den „letzten Dingen“ bekommt es seinen eigentlichen Sinn. Das wird besonders bei Johannes klar. Der fünfte Evangelist ist Paulus; er erzählt vom Christus in uns, der aber zugleich zur Rechten des Vaters sitzt und uns dorthin heimholt, in das Reich des einst verborgen gewesenen Vaters. Das sechste Evangelium ist die Apokalypse. Sie erzählt vom wiederkommenden Christus, und vom Reiche des Heimgeholtseins. Vom Zustand jenes Menschen und jener Welt, in denen das „Auf-hin“ vollzogen und Christus der Vollendende, der Sieger, der König ist.
In diesem Zusammenhang gesehen, sind die Wunder ein Schimmer, den die Auferstehung und die Vollendung vorauswerfen.

VI.
Wir haben mit dem Satz begonnen, das Wunder sei keine theologische Fachangelegenheit, vielmehr ein Grenzphänomen, woran sich das ganze Weltproblem aufrollt. Ich hoffe, das ist deutlich geworden.
Man kann das Problem des Wunders nur erörtern, wenn man mit Logik und Naturwissenschaft anfängt und mit Theologie, und zwar mit der Theologie der Eschata endet. Die Erörterung des Wunders läuft einer Linie entlang, welche die gesamte Existenz durchzieht.




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