Romano Guardini Online Konkordanz
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sprang zuweilen auf; und wenn dann der Handwerker den Hammer über den Amboß hob, so hörte ich wohl, wie das Werkzeug nur unregelmäßig das Eisen schlug. Und im Maße der Blick des Mannes weniger Licht hatte, gab die Flamme des Herdes geringeren Schein. Am Abend schwankte sie stärker, und auf den Wänden und auf der Decke erlosch das Licht durch lange Zeiten hin. Eines Tages fühlte der Mann, wie ihm beim Arbeiten die Enden der Glieder eisig wurden. Am Abend starb er. Ich trat in die Schmiede ein. Sie war kalt wie ein Leib, der kein Leben mehr hat. Nur eine kleine Kohle leuchtete unter dem Rauchfang, und wachte demütig zur Seite des Totenbettes, bei dem zwei Frauen beteten.
Drei Monate später trat ich in die verlassene Werkstätte, um mit dabei zu sein, als ihr weniges Gerät abgeschätzt wurde. Da war alles feucht und schwarz wie in einem Keller. Das Leder des Blasebalges war verfault und durchlöchert, und als einer die Kette daran spielen lassen wollte, löste sie sich vom Holz. Und die einfältigen Leute, die mit mir schätzten, erklärten: »Der Amboß und die Hämmer sind verbraucht. Sie haben mit ihrem Herrn zu leben aufgehört.«
Das ging mir nahe, denn ich verstand den geheimnisvollen Sinn der Worte.



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