kann man sie auch nicht lehren, sondern jeder muß sie, durch Torheiten hindurch, selbst erwerben, aus der Bitterkeit seines eigenen Endens. Und sie ist das Verstehen des Einzelnen aus dem Ganzen; das gewinnt man aber erst, wenn das Ganze herauskommt, am Schluß. Es ist das Gefühl für Wichtig und Unwichtig; der Sinn für die Maße; das Wissen, was letztlich lohnt, nur zu erwerben, wenn es »zu spät« ist im Sinne des Andersmachens, aber noch zeitig genug, um verzeihen, bereuen und alles in Gottes Hand geben zu können. Dieser Art ist auch der Glaube des alten Menschen. Seine Haltung wird sehr einfach. Fast könnte man von einer neuen Kindlichkeit reden. Das Kindische alter Menschen ist die häßliche Form von etwas, was auch sehr schön sein kann: der zweiten Kindlichkeit, die mit der ersten das Gefühl gemeinsam hat, alles sei eins; alles stehe in einer Hut; alles werde gut werden. Dieser Glaube ist weit, verstehend und duldsam. Er ist voll Erfahrung. Er hat Humor. Wunderbares Ding, der Humor im Religiösen, der alles Menschliche, auch das Unzulängliche und Sonderbare mit hineinnimmt in die Unendlichkeit der Liebe Gottes; auf eine Lösung hofft, wo Verstand und Tatkraft keine mehr sehen, und einen Sinn noch dort ahnt, wo Ernst und Eifer ihn längst aufgegeben haben ...
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