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Lebendiges wirkt und schafft. Aber das soll nicht als Widerspruch gegen eine wohlverstandene klassische Bildung im oben entwickelten Sinn geschehen. Diese ist kein Widerspruch zu deutschem Wesen, sondern ein Gegensatz, und zwar einer der fruchtbarsten, lebenskräftigsten, die es vielleicht überhaupt gibt. Ihr Verhältnis zueinander muß klargelegt und ihre Beziehung zum Menschheitsgut verständlich gemacht werden. So wird die Jugend alles gewinnen, was sie braucht, um im eigenen Wesen zu erstarken; anderseits werden ihr die großen Zusammenhänge erhalten, deren sie bedarf, um gerade ihrer eigensten Sendung treu bleiben zu können. Also Thule und Hellas! Die Aufgabe ist schwer. Ein Meisterproblem kulturpädagogischer Kunst. »Hie humanistische«, »hie deutsche Bildung« zu sagen, ist viel leichter. Allein die leichten Lösungen sind fast immer die falschen. Daß dieser Aufsatz selbst noch keine Lösung bringt, ist mir wohl bewußt. Er will's auch nicht. Er will nur ein Problem fühlbar werden lassen und die Richtung weisen, wo die Lösung zu liegen scheint: Nicht im Entweder-Oder, sondern in organischer Verbindung. | ||
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