Romano Guardini Online Konkordanz
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mehr geben; seine Zeit ist vorbei. Auf der anderen Seite ist aber für Viele die christliche Gestaltenwelt nicht mehr gültig; ein Unglück, an welchem die Christenheit selbst mitschuldig ist, und in ihr die Bild-Erstarrungen des Katholizismus nicht weniger als die Bild-Verneinungen des Protestantismus. Daher machen auch die christlichen Darstellungen so oft den Eindruck des Überholten und Abgestorbenen. Umso unmittelbarer waren viele berührt, als sie, unbeeinflußt durch herabsetzende oder verherrlichende Reden über das Mittelalter, einfach seinen Bildwerken gegenüberstanden. Mehr oder weniger klar, mehr oder weniger stark und tief haben sie empfunden, was religiöse Gestalt ist, und was sie für das Leben bedeuten mag.
Darüber wäre noch viel zu sagen, auch zu der Frage, was hier geschehen könnte und vielleicht schon im Geschehen ist; doch soll es genug sein. Ohnehin sind wir schon bedenklich genug in die Nähe der Abhandlung geraten, während unsere Absicht doch nur gewesen war, von der Tübinger Ausstellung Abschied zu nehmen.




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